Der Tanz des Akkordeons

Martynas Levickis beschloss die :alpenarte mit einem Konzert voller Leidenschaft, Charme und Witz.
Schwarzenberg Martynas Levickis führte am Sonntagnachmittag bei der :alpenarte: vor, wie weit sich das Akkordeon öffnen lässt. Mit dem von ihm gegründeten Mikroorkéstra, in Schwarzenberg kammermusikalisch mit Ulijona Pugačiukaitė-Mažeikienė (Violine), Lukas Pronskus (Violine), Birutė Ilčiukaitė (Viola), Ignė Pikalavičiūtė (Violoncello) besetzt, gelang ihm ein Festivalabschluss, der seine Wirkung aus großer Musikalität ebenso bezog wie aus Spielfreude und feinem Humor.

Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ zeigte, wie Levickis Bekanntes in eine neue Klangwelt überführte. Das Akkordeon gab der Serenade eine federnde Beweglichkeit: Die Streicher setzten klare Konturen, während Levickis mit wechselnden Klangfarben und sicherem Gespür für die Balance antwortete. Im „Adagio und Rondo“, ursprünglich für Glasharmonika, Flöte, Oboe, Viola und Violoncello geschrieben, wurde aus der ungewöhnlichen Besetzung ein eigener Klangkörper.
Geformte Miniaturen
Wie stark die kleine Gruppe dynamisch und atmosphärisch aufzufächern vermag, zeigte sich in Astor Piazzollas „Five Tango Sensations“. Der Tango war hier keine Folklorekulisse, sondern eine Sprache für Unruhe und Sehnsucht. Bachs Sinfonia aus der Kantate „Ich steh mit einem Fuss im Grabe“ erhielt in Levickis’ Bearbeitung ein neues, zugleich respektvolles Gesicht. Das Akkordeon trug die Melodie, die Streicher hielten den Satz in warmer, konzentrierter Spannung.

Mit der „Folk Song Suite No. 1“ trat Levickis auch als Komponist hervor. Die litauischen Melodien „Leliumoj“, „Beauštanti aušrelė“ und „Rūta žalioj“ wurden zu sorgfältig geformten Miniaturen. Das Mikroorkéstra machte aus dem Akkordeon keinen exotischen Gast im Streichquartett, sondern einen gleichberechtigten Partner. Die Musiker hörten einander aufmerksam zu, ließen Linien ineinandergreifen und gönnten den Klängen Raum. Vivaldis „Winter“ zog mit seinem schneidenden Allegro non molto vorbei, der „Sommer“ brach im Presto los. Levickis und die Streicher ließen die Jahreszeiten als unmittelbare Bewegung erscheinen.
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Es folgten „Habanera“ und „La Cumparsita“, Yann Tiersens Musik aus „Amélie“, Carlos Gardels „Por una cabeza“ und Gorka Hermosas „Brehme“. Janusz Wojtarowicz’ „Balkan Dance“ und Brahms’ Ungarischer Tanz Nr. 5 trieben den Abend schließlich mit rhythmischer Energie voran.
Tanz der Klänge
Nummer für Nummer steigerte sich das Konzert, ohne auf bloße Effekte zu setzen. Selbst oft Gehörtes gewann durch die präzisen, nie routinierten Arrangements überraschende Farben. Das Akkordeon behauptete sich dabei als Stimme und als beweglicher Klangkörper. Levickis’ Bühnenpräsenz verband Charme mit einer ansteckenden Leidenschaft, die auch das Mikroorkéstra prägte. Zwischen den Stücken war Platz für Gesten, die Nähe zum Publikum schufen.

Der „Tanz der Klänge“ war damit ein glänzender Schlusspunkt für ein Festival, dessen Programm den Bregenzerwald als offenen Ort für musikalische Begegnungen zeigte. Die :alpenarte: ist längst mehr als ein Konzertwochenende: Sie bereichert das Kulturleben der Region und Vorarlbergs.