Posthus in Egg im Rennen um den Staatspreis

Kultur / 21.10.2026 • 11:00 Uhr
05_Ludescher+Lutz_Posthus_IMG_0153_GW.jpg
Das Posthus in Egg von Ludescher + Lutz Architekten ist für den Österreichischen
Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit 2026 nominiert.Gustav Willeit

Wo im Zentrum von Egg bis vor Kurzem Autos auf Asphalt standen, trifft man sich heute auf einem Dorfplatz.

Egg Den Anstoß dazu gab ein einzelnes Gebäude: das Posthus des Bregenzer Büros Ludescher + Lutz Architekten, eröffnet im Jänner 2025 auf dem ehemaligen Postareal. Nun ist es für den Österreichischen Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit 2026 nominiert – als einziges Projekt aus Vorarlberg.

10_Ludescher+Lutz_Posthus_IMG_0081_GW.jpg
Im Haus befinden sich Gastronomie, Arztpraxen, Büros, Wohnungen und Veranstaltungsräume.Gustav Willeit

Die Konkurrenz war beträchtlich. 65 Projekte aus ganz Österreich wurden für die Auszeichnung eingereicht, die heuer zum neunten Mal vergeben wird. Eine unabhängige Jury wählte 13 davon aus, besichtigte sie vor Ort und nominierte schließlich sieben. Die Preisträger werden im November in Wien bekannt gegeben.

01_Ludescher+Lutz_Posthus_IMG_0399_GW.jpg
Gustav Willeit

Hervorgegangen ist das Posthus aus einem Architekturwettbewerb, und dessen Ergebnis zielte von Anfang an über das Grundstück hinaus. Gemeinsam mit Gemeindeamt, Pfarrkirche, Dorfplatz und Busbahnhof fasst der Bau einen Bereich, der bisher kaum Kontur hatte. Zwischen Posthus und Wählamt verläuft nun eine neue Gasse, die auf kurzem Weg vom Busbahnhof zum Dorfplatz führt. Entscheidend war die Verlagerung der Parkplätze in eine Tiefgarage: Erst dadurch ließ sich die Fläche als autofreier Platz zurückgewinnen. Sein angehobenes Niveau macht ihn barrierefrei und bindet Posthus, Gemeindeamt, Kirche und Busbahnhof zu einem zusammenhängenden öffentlichen Raum. Hier finden Märkte und Veranstaltungen statt, hier stehen die Tische des Gastgartens, hier begegnet man einander im Alltag.

13_Ludescher+Lutz_Posthus_IMG_0060_GW.jpg
Gustav Willeit

Der kompakte Baukörper nimmt Motive des Bregenzerwälderhauses auf, ohne sie nachzuahmen. Walmdach, klar gegliederte Fassaden, Tannenschindeln und unbehandeltes Holz binden ihn an die regionale Baukultur. Das Haus will nicht auffallen, sondern sich einfügen und behauptet sich gerade dadurch. Tiefe Fensterlaibungen übernehmen den Sonnenschutz und verleihen ihm seine ruhige Erscheinung. Konstruiert ist es als Holzhybridbau; im Inneren setzt eine gewendelte Treppe aus Stahlbeton einen markanten Akzent und öffnet beim Hinaufsteigen immer neue Blicke durch das Gebäude.

23_Ludescher+Lutz_Posthus_IMG_0258_GW.jpg
Gustav Willeit

Auf rund 1300 Quadratmetern Nutzfläche mischen sich die Funktionen. Ein Gasthaus und ein Eissalon im Erdgeschoß beleben die Ortsmitte, darüber liegen Arztpraxen, Büros und Wohnungen sowie Veranstaltungs- und Sitzungsräume, die auch der Bevölkerung offenstehen. So ist das Posthus kein reines Geschäftshaus, sondern ein Stück öffentliches Leben im Ort.

28_Ludescher+Lutz_Posthus_IMG_0315_GW.jpg
Gustav Willeit

Nachhaltig ist das Posthus nicht nur im Material. Stützenfreie Grundrisse und nichttragende Trennwände erlauben es, Büros später mit geringem Aufwand in Wohnungen umzubauen. Geheizt wird mit Biomasse-Fernwärme aus dem Ort. Und weil ein bereits erschlossenes Grundstück dicht bebaut wurde, stärkt das Projekt die Innenentwicklung, statt neue Flächen am Ortsrand zu verbrauchen.

32_Ludescher+Lutz_Posthus_IMG_0366_GW.jpg
Gustav Willeit

Es ist nicht die erste Würdigung. Das Posthus wurde bereits mit dem best architects 26 award ausgezeichnet, die Marktgemeinde Egg ist mit der Zentrumsentwicklung rund um das Haus für den Baukulturgemeinde-Preis 2026 nominiert. Das Beispiel zeigt, wie aus einer einzelnen Bauaufgabe die Erneuerung eines ganzen Dorfzentrums werden kann.

33_Ludescher+Lutz_Posthus_IMG_0330_GW.jpg
Gustav Willeit