Statt Schigymnastik Kammermusik

„Klang & Raum“ eröffnete die Konzertsaison 2026/27 in Langen bei Bregenz.
Langen Der Saal des Abt-Pfanner-Hauses in Langen dient normalerweise für Schigymnastik und ähnliches. Am letzten Samstag versammelten sich dort die zahlreichen Freundinnen und Freunde der Kammermusikreihe „Klang & Raum“, die seit 2021/22 Musik auf Originalinstrumenten an ungewohnten Orten erklingen und interessante Persönlichkeiten zu Wort kommen lässt. Die Mischung aus Altersheim, Afrikamission (Abt Pfanner) und ausgewählter Musik um 1800 für Holzbläser versprach interessant zu werden.

Es ist schon etwas Besonderes, in einem schönen, holzverkleideten Raum mit exzellenter Akustik auf gleicher Ebene mit den Musikerinnen und Musikern zu sitzen und ihnen fast so nahe zu kommen wie bei einem Hausmusikkonzert. Besonders war auch das Programm, gestaltet vom Gast des Abends, dem Spezialisten für historische Klarinetten Simon Pibal aus Wien. Gleich eingangs erklang die Bagatelle Nr. 11 für Traversflöte, Klarinette und Fagott des zu Lebzeiten hochberühmten und heute fast vergessenen Johann Simon Mayr, dessen Oper „Medea in Corinto“ man 2009 in St. Gallen hören konnte. Diese Bagatellen, von denen später noch drei andere gespielt wurden, sind teils melancholische, teils fröhliche Miniaturen, die manchmal an Rossini erinnern. Pibal an seiner hellen Buchsbaumklarinette, Angelika Gallez an der Traversflöte und Heidrun Wirth-Metzler am Barockfagott bestachen durch den warmen, intimen Klang ihrer Instrumente, die farbige Tongestaltung und die differenzierte Phrasierung. Martin Gallez am Pianoforte steuerte ein kleines Menuett von Mayr bei. Musikalisch gewichtiger wurde es mit Beethovens Sonate in F-Dur für Horn und Klavier in einer Bearbeitung für Bassetthorn seines Prager Zeitgenossen Joseph Fiedlowsky: Pibal erläuterte die Besonderheiten dieses selten solistisch zu hörenden Instruments, bevor er sich mit Martin Gallez bravourös in die Interpretation dieses virtuosen Werkes stürzte, mit seinem fanfarenartigen Beginn, dem verschatteten Mittelsatz in Moll und dem tänzerischen Finale.
Hochinteressant und beeindruckend waren dann die Ausführungen des langjährigen ehemaligen Bürgermeisters von Langen, Hans Kogler, über die Errichtung des heutigen topmodernen Pflegeheims. Es wurde im Gedenken an den Trappistenmönch und Afrikamissionar Abt Franz Pfanner (1825–1909) aus Langen verwirklicht, der viele soziale Projekte in Afrika initiiert hat; lange wurde es von Schwestern des von Pfanner gegründeten Ordens vom Kostbaren Blut betreut.
Nach der Pause gab es als Überraschung eine Sonate des Mayr-Schülers Gaetano Donizetti für Flöte und Pianoforte, vom Ehepaar Gallez elegant und mit plastischer Phrasierung dargeboten. Zum musikalischen Höhepunkt wurde das leidenschaftliche Trio Pathétique für Klarinette, Fagott und Hammerklavier von Michail Glinka. Hier wie in allen Werken des Abends spürte man das tiefe Einverständnis zwischen den Musikern und hier hatte endlich auch Heidrun Wirth-Metzler die Gelegenheit, ihr Fagott solistisch traumhaft schön singen zu lassen. Das Adagio aus Mozarts Gran Partita ließ den gehaltvollen Abend in geradezu entrückter Harmonie ausklingen.
Ulrike Längle