Zwölf Alpträume für eine Nacht

Der 9. Alpinale Kurzfilm Alptraum zeigt zu Halloween zwölf internationale Horror-Kurzfilme.
Bludenz Ein Stuhl, der sich nicht besetzen lassen will. Eine Großmutter, die ihren Enkel “groß und stark” machen soll. Eine Puzzle-Influencerin, der beim Videodreh die Dinge aus den Fugen geraten. Es sind oft die vertrauten, beinahe banalen Situationen, die im Kurzfilm am schnellsten ins Unheimliche kippen. Zwölf solcher Momente versammelt der 9. Alpinale Kurzfilm Alptraum, der am Samstag, 31. Oktober, in der Remise Bludenz über die Leinwand geht – pünktlich zu Halloween.
Wer die Filme im Sommer beim Alpinale Kurzfilmfestival verpasst hat, bekommt damit eine zweite Gelegenheit, und zwar in einer Jahreszeit, die dem Genre ohnehin näherliegt. Die Beiträge stammen aus Taiwan, den USA, Spanien, Frankreich, Belgien, Großbritannien und Österreich, sie dauern zwischen zwei und 16 Minuten. Gezeigt werden sie in Originalsprache mit englischen Untertiteln. Die Bandbreite reicht vom schwarzen Humor bis zum psychologischen Horror. Das Kurzformat lässt dabei kaum Zeit zum Durchatmen: Kaum ist ein Schrecken überstanden, beginnt der nächste.
Mit dabei ist auch der heurige Gewinner des Goldenen Blutigen Einhorns. “Blossom Needs a Ride Home” von Tim Schwagel (USA) setzt dort an, wo klassische Slasherfilme gewöhnlich enden: Die Titelheldin hat den blutrünstigen Irren bereits besiegt. Nun braucht sie nur noch eine Mitfahrgelegenheit nach Hause – was sich als deutlich schwieriger erweist als gedacht.

Gleich zweimal im Programm vertreten ist der US-Regisseur Chris McInroy. In “Skeeter” verdirbt eine Spaßbremse auf einer Party weit mehr als nur die Stimmung, in “Chäir” will Carl sich einfach hinsetzen, doch der Stuhl hat andere Pläne. Beide Filme kommen mit nur wenigen Minuten aus, ebenso “Whitch” von Hoku Uchiyama (USA), in dem eine Mutter eine unheimlich vertraute Fremde in ihrem Wohnzimmer entdeckt. Mehr Zeit nehmen sich andere Beiträge. In “Grandma Is Thirsty” von Kris Carr (Großbritannien) flieht der junge George vor seinen Peinigern und landet bei einer Großmutter, in deren Haus ein uraltes Geheimnis wartet. “Quai Sisowath” von Stephanie Lansaque und François Leroy (Frankreich) beginnt als erstes Date in Phnom Penh, bis sich mit dem Sonnenuntergang nicht nur die Stimmung verändert. Und die belgisch-französische Produktion “Rouge” von Zoé Arene nimmt sich das Rotkäppchen vor: Die Heldin heißt hier “Hoodie”, der Wolf entspricht so gar nicht seinem Ruf, und selbst der Erzähler verliert zunehmend die Kontrolle über seine Geschichte.
Schaurige Dekoration und unheimliche Musik
Mit Kamera und Selbstinszenierung spielen gleich mehrere Filme. In “Rebrand” von Edoardo Ranaboldo (USA) zieht eine Gruppe YouTuber für ein letztes Video in den Wald, verfolgt von vier maskierten Männern mit ganz eigenen Vorstellungen davon, wer vor und wer hinter der Kamera stehen sollte. Einen heimischen Bezug hat “What’s in Your Bag?” von Béla Baptiste, eine österreichisch-amerikanische Koproduktion. Der Fünfminüter bewegt sich zwischen Alltag und Brutalität und stellt eine unbequeme Frage: Warum schauen wir hin, wenn andere überwacht werden, und warum fällt das Wegsehen so schwer? Aus Taiwan kommt “A Brighter Summer Day for the Lady Avengers” von Birdy Wei-Ting Hung, dessen Titel an Edward Yangs Kinoklassiker von 1991 erinnert. Er erzählt von einem Mädchen im Taiwan der 1980er-Jahre, dessen Tagträume an einem heißen Sommernachmittag eine unerwartete Richtung nehmen.
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Auch abseits der Leinwand soll es düster zugehen. Das Alpinale-Team verwandelt die Remise mit schauriger Dekoration und unheimlicher Musik in eine passende Kulisse. Wer selbst Teil des Spektakels werden will, kommt verkleidet: Das beste Kostüm wird prämiert.