Wiederverwenden statt wegwerfen

Spielerisch und praxisnah: Das vai widmet sich ab Samstag dem Thema Kreislaufwirtschaft am Bau.
Dornbirn Wie gehen wir mit Ressourcen um, heute und in Zukunft? Dieser Frage widmet sich die Ausstellung „Wie zirkulär lebst du?“, die am Samstag, 7. November, um 11 Uhr im vai Vorarlberger Architektur Institut in Dornbirn eröffnet wird. Erarbeitet hat sie ZirkuLIE, das Zentrum für zirkuläres Bauen in Liechtenstein. Die Schau will ein komplexes Thema verständlich und praxisnah aufbereiten und lädt dazu ein, das eigene Lebens- und Bauverhalten kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Im Zentrum steht das Prinzip der Zirkularität. Statt Ressourcen zu verbrauchen und anschließend zu entsorgen, sollen sie möglichst lange genutzt, wiederverwendet und im Kreislauf gehalten werden. Gerade im Bauwesen steckt in diesem Denken großes Potenzial, ökologisch ebenso wie wirtschaftlich und kulturell. Verzicht ist damit ausdrücklich nicht gemeint: Zirkuläres Bauen, so die Botschaft der Ausstellung, schafft langfristige Werte und trägt zu einer lebenswerten Zukunft für kommende Generationen bei.

Vermittelt werden die Inhalte spielerisch, anschaulich und interaktiv. Entlang zentraler Fragen zu Flächennutzung, Materialwahl, Regionalität, Effizienz, Anpassungsfähigkeit und Demontierbarkeit sollen die Besucherinnen und Besucher eigene Entscheidungen überdenken und Zusammenhänge besser verstehen. Es sind Fragen, die sich bei jedem Bauvorhaben stellen, vom Einfamilienhaus bis zum öffentlichen Großprojekt. Belehrt wird dabei niemand, gefragt ist das Mitdenken. Bewusst setzt die Ausstellung auf niederschwellige Zugänge und macht deutlich, dass es den einen richtigen Weg nicht gibt.

Zirkularität entsteht vielmehr durch Auseinandersetzung, durch Lernen und durch den Austausch aller Beteiligten, von der Planung über das Bauen bis zur späteren Nutzung. Angesprochen sind insbesondere junge Menschen sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger im Bauprozess. Die Schau versteht sich als konkreter Beitrag zur aktuellen Debatte über Ressourcenknappheit, Baukultur und nachhaltige Entwicklung und zeigt, wie zirkuläres Denken im Alltag greifbar wird.

ZirkuLIE ist ein gemeinnütziger Verein für zirkuläres und nachhaltiges Bauen. Initiiert wurde das Projekt von der Stiftung Lebenswertes Liechtenstein, gestartet gemeinsam mit regionalen Akteuren und der Circular Hub GmbH. Ausgangspunkt war eine ernüchternde Zahl: 90 Prozent der Abfälle im Fürstentum fallen in der Baubranche an. Die Initiatoren sahen darin allerdings nicht bloß ein Problem, sondern vor allem einen gewaltigen Hebel in Richtung Nachhaltigkeit. Gemeinsam mit einem stetig wachsenden Netzwerk aus Baubranche, Politik, Verwaltung und Fachleuten für Nachhaltigkeit hat der Verein bereits in mehreren Projekten gezeigt, wie sich Bauabfälle als wertvolle Ressource retten und wiederverwenden lassen, statt sie zu zerstören oder auf Deponien endzulagern.

Im Jänner 2025 eröffnete ZirkuLIE in Triesen das Zentrum für zirkuläres Bauen, eine für Liechtenstein bis dahin einzigartige Anlaufstelle, die zugleich als Vermittlungsraum dient. Neben Ausstellungen, Vorträgen und Symposien finden dort regelmäßig Fachgespräche und Netzwerktreffen statt. Zudem betreibt der Verein am Standort eine Bauteilbörse für Liechtenstein und die Ostschweiz. Diese ist mit einer digitalen Plattform verknüpft, über die gesammelte Materialien, Bauteile und Werkstoffe rasch und unkompliziert verfügbar gemacht werden.

Die Ausstellung im vai ist bis 5. Dezember zu sehen, Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr, samstags von 11 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei, Ausstellungsgespräche für Gruppen und Schulklassen gibt es auf Anfrage.
