Liederbuch

Leserbriefe / 10.11.2019 • 17:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die Kommentare „Extrem widerlich“ über eine angebliche „Liederbuch-Affaire im Dunstkreis der Freiheitlichen“ und „Wann dann?“ über „braune Rülpser in der FPÖ“ von Johannes Huber und Dr. Burtscher in den VN vom 2./3. und 4.11.2019 lassen Faktenkenntnis und Objektivität vermissen. Die Textstelle „Heil Hitler ihr alten Germanen“ z. B. entstammt dem Jugendliederbuch „Der Bettelstudent“ des Franziskanerordens, ist in der Zwischenkriegszeit entstanden, verspottet in parodistischer Weise Deutschtümelei, Nationalsozialismus und Rassenwahn und findet sich sogar in den offiziellen Liederbüchern des ÖVP-nahen Mittelschülerkartellverbandes. Das rund 400 Lieder umfassende Liederbuch ist auch nicht von der betroffenen Studentenverbindung erstellt, sondern dieser vor 14(!) Jahren geschenkt, jedoch nie verwendet worden.

Da dieses Liederbuch mehr als 2000 Strophen enthält, dürften die zwei bis drei wirklich inkriminierenden Stellen dem Normalverbraucher nicht einmal aufgefallen sein. Dass der bloße Besitz eines solchen Liederbuches zu Rücktrittsaufforderungen an NR Zanger führen konnte, erinnert an Metternichs Überwachungsstaat, um Vergleiche mit Diktaturen unserer jüngeren Geschichte zu vermeiden. Oder müssen zukünftig unsere Volksvertreter vor ihrer Angelobung eine Unbedenklichkeitsbescheinigung betreffend ihre Privatbibliothek vorlegen? Der Zeitpunkt dieser „Enthüllung“, so kurz vor den steirischen Landtagswahlen, wurde natürlich rein zufällig gewählt.

Dr. Jörg Frey, Feldkirch