Menschsein in der Politik

Leserbriefe / 07.02.2020 • 18:33 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Kommentar von Julia Ortner, VN vom 4. 2. 2020:

Danke für ihren Beitrag, Menschsein in der Politik wieder in unser Blickfeld gerückt zu haben. Ich bin allerdings der Auffassung, dass hier eine grundlegende Schieflage besteht. Die Politik als Business, als eine Tätigkeit abseits menschlicher Normen, abgehoben und außergewöhnlich, scheint zur Normalität verkommen zu sein. Unmenschliche Arbeitszeiten, dauernde Verfügbarkeit, andauernde allseitige Grenzüberschreitungen, absolute Kontrollierbarkeit und schlussendlich Selbstüberschätzung und Selbstaufgabe prägen die Biographien der in der Politik Tätigen. Wenn es nicht gelingt, diese Tätigkeit – auch gegen den Widerstand der herrschenden Politikerkaste – wieder auf ein normales Maß herunterzuschrauben, werden wir immer stärker in diesen Strudel hineingerissen und noch viele Politiker und vor allen Dingen Politikerinnen werden vor die Hunde gehen. Eine Normalisierung, eine Rückkehr zu normalen Arbeitszeiten, von Freizeit zur Regeneration, zu normalen Entlohnungen – kein „Schmerzensgeld“, zur Entmystifizierung der „Arbeit für das Volk“ tut Not – dann wird das politische Tagesgeschäft von den Menschen auch wieder verstanden und honoriert werden können. Und dazu können auch die Medien ihren Teil beitragen.

Wolfgang Juen, Dornbirn