18,3 Grad

Leserbriefe / 12.02.2020 • 18:02 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

18,3 Grad wurden in dieser Woche in der Antarktis gemessen. So hohe Temperaturen wie noch nie. Das Eis schmilzt immer schneller ab. Die Tipping Points werden viel rascher als ursprünglich gedacht erreicht werden. Danach wird die Welt in zunehmend unsteuerbare global-klimatische Zustände übergehen. Kurzes Aufhorchen. Die Nachricht wird hingenommen. Sie sickert langsam ein durch diverseste Medienkanäle. Das Kollektiv reagiert nicht. Es macht weiter so. Unverändert. Alle machen weiter so. Unverändert. Nichts tut sich. Kein Stoppschild erscheint und wenn, wird es ignoriert. Die Masse gleitet weiter. Scheinbar unaufhaltsam. Alles in einem riesigen Strom von unaufhörlichen Handlungen, Tätigkeiten, wie eh und je. Nicht wirklich anders. Eher kosmetisch. Ein bisschen an der Oberfläche. Nicht strukturell. Nicht tiefgreifend. Nicht elementar.

In dieser Form, in dieser realen Praxis, sind alle Programme zur Verlangsamung der sich auftuenden Klimakatastrophe blanker Zynismus. Blanker Hohn. Verpackung. Etikette. Greenwashing. Verkleidung. Imagepolitur. Verkaufsargument. Marketingstrategie. Selbstdarstellung. Mode. Gag. Das Burgenland wird sich erst betroffen wähnen, wenn der Neusiedlersee austrocknen sollte. Bis dorthin wird ein Wein sein. Und die anderen Bundesländer suchen bereits Ersatz für die Gletscher als Schigebiete. In anderer Form ist ihnen der Wert der Eisriesen in den hohen Bergen nicht mehr darstellbar. Und Vorarlberg verinvestiert sich in CO2-triefenden Straßenbau.

Andreas Postner, Rankweil