Immobilienpreise und Vermögenssteuern

Leserbriefe / 23.07.2020 • 18:19 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

VN-Kommentator Harald Walser sinnierte in seiner letzten Kolumne über die Ursachen der Kostenexplosion bei Grundstücks- und Wohnungspreisen. Dabei gelangte er zur Eingebung, einer der Gründe dafür sei die in Österreich im europäischen Vergleich „extrem geringe“ Besteuerung von Vermögen. Walsers Ansicht kann – wie so oft – nicht im Geringsten überzeugen. Der maßgeblichste Grund für den rasanten Anstieg der Immobilienpreise war und ist die Nullzinsenpolitik der EZB, die zu einer wahren Kapitalflucht in Sachwerte geführt hat. Anleger haben längst bemerkt, dass gewöhnliche Spareinlagen bei Banken inflationsbedingt einem ständigen Wertverfall ausgesetzt sind und suchen ihr Heil daher vor allem im Erwerb von „Betongold“. Diese erhöhte Nachfrage ist es, die bei einem vergleichsweise geringen Immobilienangebot in erster Linie den starken Immobilienpreisanstieg bewirkte. Dass gerade im Ländle auch einige lokale Industrielle auf den Zug aufsprangen und sich mit Immobilien regelrecht eingedeckt haben, hat den starken Preisanstieg ebenso begünstigt wie die vielen Zweitwohnungen, die vor allem wohlhabende Deutsche hier in den letzten Jahren erwerben konnten. Dieser Entwicklung hätte ein regulierter Grundverkehr einen Riegel vorschieben können, doch der ist schon lange den EU-Grundfreiheiten zum Opfer gefallen. Wie die Einführung der Immobilienertragssteuer eindrücklich gezeigt hat, würden zusätzliche Vermögenssteuern die Immobilienpreisentwicklung nur noch weiter anheizen.

Dr. Harald Bösch, Bregenz

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