Abschiebung
nach Georgien
Zum Kommentar „Macht der Bilder“ von Wolfgang Burtscher, VN vom
22. Februar:
Wolfgang Burtscher verweist in seinem Gastkommentar auf das durch die gesamte Presse durchgezogene verfälschte Foto jener georgischen Schule, die das abgeschobene Mädchen Tina nun besuchen muss. Solche Manipulationen wirken peinlich und befeuern den Eindruck einer generellen „Lügenpresse“. Gerade im Migrationsthema werden unerwünschte Fakten, Standpunkte oder Abwägungen häufig hintangehalten.
Bei der Abschiebung des Mädchens beschwor man die grausame Trennung von der lieb gewordenen Umgebung. Einverstanden, wenn dieses Argument beim Einwandern gleichermaßen zählt: Kinder aus typischen Fluchtländern erleiden beim Herziehen den selben Trennungsschmerz und müssen einen unvergleichlich radikaleren Kulturbruch verkraften. Tina spricht Georgisch und kehrt in ein Land mit verwandter Kultur zurück.
Man soll die Immigrationsdiskussion weder auf Verbrechen reduzieren, noch diesen hochemotionalen Aspekt maskieren. Frauen aus Flüchtlingslagern erzählen unisono von Gewalt durch Mit-Flüchtlinge, insbesondere Vergewaltigungen. Diese Täter kommen durch die bestehende Asylpraxis allzu leicht ins Land. Bei Straffälligkeit wird ihre Herkunft fallweise vertuscht, wenngleich mittlerweile weniger. Ihr proportionaler Anteil an bestimmten Delikten geht in Kriminalstatistiken unter. „Österreichischer Straftäter“ ist formal oft richtig. Ein Generalverdacht gegen eine Gruppe (zukünftiger) Mitbürger soll verständlicherweise vermieden werden, aber die Presse stellt sich durch Unterschlagungstricks einen Lügenleumund aus, der auf andere Themen übertragen wird und in Verschwörungszeiten fatale Auswirkungen hat.
Gerald Grahammer, Lustenau