Zum Versagen der ­österreichischen ­Politik

Leserbriefe / 31.08.2021 • 19:39 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Mein am 9. August erschienener Leserbrief zum Schicksal afghanischer Flüchtlinge provozierte etliche wütende, flegelhafte und befremdliche Reaktionen, in denen ich – anonym – zur Auswanderung nach Afghanistan und zum Selbstmord aufgefordert und in aggressiv-abwertender Weise als „Gutmensch“ tituliert wurde. Deshalb stelle ich die Frage: Was würden wir verlieren, wenn wir uns an die Quintessenz unserer christlichen Wurzeln erinnerten, die Nächstenliebe?! Ginge es uns schlechter, wenn wir uns auf den Wert des Teilens besännen. Was käme uns abhanden, wenn wir den Fokus auf die unzähligen Beispiele geglückter Migration richteten? Denn, wenn wir uns umsehen, sie sind mitten unter uns: junge Menschen aus Afghanistan, die eine Lehre machen, die Schule besuchen, Deutsch lernen und sich vorbildlich integrieren. Sie tun dies so oder so, es fällt ihnen aber leichter, wenn wir sie nicht unbesehen ablehnen. Zum Schluss möchte ich als Migrationsforscher noch einen Gedanken anfügen: Wir sind stolz auf unsere einst nach Amerika ausgewanderten Verwandten und wir alle haben Einwanderer unter unseren Vorfahren. Gleichzeitig missbilligen wir, wenn andere es ihnen aus denselben, wenn nicht besseren Gründen gleichtun, statt in existenziellen Fragen Menschlichkeit zuoberst zu stellen. Das gegenwärtige Versagen und der Zynismus der österreichischen Politik fordern jedenfalls Menschenleben. Von Männern, Frauen und Kindern. Das ist schändlich.

Dr. Dieter Petras, Schlins

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