Demokratie
braucht Bildung
Literatur und Philosophie haben die Welt verändert, aber auf der ganzen Welt machen sich die Eltern mehr Sorgen darüber, dass ihre Kinder finanziell nicht erfolgreich sein könnten, als darüber, dass sie vielleicht eine unzureichende geisteswissenschaftliche Bildung erhalten. Das größte Problem besteht doch vielmehr darin, dass in vielen Ländern (speziell in Österreich) bestimmte Fähigkeiten gar nicht mehr gefördert werden, weil es zuallererst um den gesamtwirtschaftlichen Gewinn geht. Die größten Pädagogen und Staatsmänner wussten schon, dass Kinder durch Kunst und Geisteswissenschaften eben jenes kritische Denken lernen, das für ein selbstständiges Handeln und für einen intelligenten Widerstand gegen die Macht verkrusteter Traditionen und unhinterfragte Autoritäten notwendig ist. Schüler, die sich mit Kunst und Literatur befassen, lernen auch, sich in die Lage anderer Menschen hineinzudenken – eine Fähigkeit, die unabdingbar für eine funktionierende und erfolgreiche Demokratie ist. Nur dadurch kann sich ein Gleicher unter Gleichen sehen und die wechselseitige Abhängigkeit der Menschen begreifen – was sowohl für die Demokratie als auch für eine weltbürgerliche Gesinnung eine wesentliche Voraussetzung ist. Eine Demokratie, deren Bürgern es an Empathie mangelt, bringt zwangsweise Marginalisierung und Stigmatisierung hervor, wodurch ihre Probleme nicht gelöst, sondern vielmehr verschärft werden. Wollen wir eigentlich nur noch, dass in Schulen und Hochschulen Generationen von maschinell funktionierenden Bürgern produziert werden?
Arnold Ammann, Bludesch