Kurz – Aufstieg
und Fall
Kurz war für die ÖVP – Farbe hin oder her – unerreicht als siegreicher Wahlkämpfer und Identifikationsfigur. Der doppelte Ex-Kanzler hat Freund wie Feind auf eine politisch-emotionale Achterbahn mitgenommen, die nun ihr absehbares Ende gefunden hat. Die beispiellose Fokussierung auf den Politiker Kurz, der mit der Person selber verschmolz, überdeckt allerdings eine Erkenntnis: Politik ist ein verdammt hartes Geschäft, in dem es um viel geht – für Land, Leute aber auch für die Politiker. Eine immer aggressivere digitale Öffentlichkeit sorgt dafür, dass ein Engagement für die Res Publica von immer mehr Fähigen abgelehnt wird. Was einst als öffentliche Auszeichnung verstanden wurde, gilt heute für viele als Zumutung. Das ist Raubbau am Fundament unserer Politik. Zurück zu Kurz: Dieser vermied es beim Abgang anerkennungswürdig, sich selbst als Opfer finsterer Mächte in Justiz, Medien und Opposition darzustellen, obwohl es viele seiner Anhänger so sehen wollen. Näher an der Realität ist, dass Kurz Opfer seines eigenen Politikverständnisses geworden ist, dass Marketing über Inhalte stellte. Vor allem stolperte er über den Mangel an Gespür für die Grenzen legitimer Macht. Die politische Hinterlassenschaft von Kurz wird armutshalber nicht abgehandelt werden, das scheint gesichert zu sein. Persönlich ist ihm zu wünschen, dass er nicht das Justiz-Schicksal des schönen Karl-Heinz Grasser erleidet.
Dr. Günter Felder, Dornbirn