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Leserbriefe / 21.01.2022 • 16:43 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Faschismus

Ein Wort und ein Versuch, ein bestimmtes Handeln oder eine besondere Situation krass zu skizzieren – und es geht immer daneben, weil der gewählte Begriff möglicherweise in vielen Köpfen gerne zu einfach und zu monokausal interpretiert wird. Auch diese versuchte Kurzdarstellung wird sicher mehr Fragen als Antworten geben. Faschismus ist in erster Linie eine (tiefen-)psychologische Kategorie: Es geht um Angst und Wut in früher Kindheit, als Reaktion auf erfahrene seelische, strukturelle und körperliche Erziehungsgewalt, die das Kind mangels Verständnisses ins Unbewusste verdrängen musste. Zur politischen Kategorie bildet sich dieses explosive gefährliche Potenzial u. a. dann, wenn die dabei entwickelten psychischen Störungen (Neurosen, Psychosen) Möglichkeiten zur Entlastung in Form von Sublimierungen, Projektionen usw. entdecken. Auf der Basis dieses unbewussten Potenzials entwickelt der Mensch Autoritätshörigkeit (Führerzentrismus), er projiziert seine Wut und seinen Hass auf Menschengruppen (Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit), er erkennt Gewalt als die einzige Problemlösung, er wird zum Zerstörer. Und, er versucht in die Masse von Gleichgesinnten aufzugehen.

Dr. Ewald Berkmann, Bregenz

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