Der Oberhirt

Leserbriefe / 03.02.2022 • 17:16 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

und seine Schafe

Vor etwa zwei Wochen hat der Wiener Erzbischof Kardinal Schönborn seinen Polizeiseelsorger fristlos entlassen. Die vom Pressesprecher der Erzdiözese vorgeschobenen Beweggründe sind zurzeit in aller Munde und werden in der Öffentlichkeit breit diskutiert. Das soll in einer Demokratie laut Gesetz ja erlaubt sein, aber weniger in der Katholischen Kirche. In einem biblischen Gleichnis stellt sich sinngemäß der (Ober-)Hirte schützend vor seine Herde und verstößt kein Schaf, das einmal zu laut „Määääh“ geblökt hat. Aber hier endet die Parallelität von Gleichnis und Wirklichkeit.

Denn seine Eminenz verschanzt sich hinter der Wolfsmeute mit dem Ziel, diese ja nicht zu vergrämen, um den staatlichen Geldsegen nicht zu schmälern, wie von einigen Vorgängerwölfen schon angedeutet worden war. Die Kirche soll sich mehr um die Aufarbeitung wichtigerer und sehr rufschädigenden Vorkommnisse bemühen (z.B. Missbrauchsopfer, Falschaussagen ihres emeritierten Obersthirten usw.). Nicht darum, die vielen, um Ausgleich und Einigung des Volkes bemühten Geistlichen und Laien in unseren Pfarren mundtot zu machen. Werter Herr Kardinal, um Ihren Polizeiseelsorger scharen sich immer mehr Schafe , während sie ihnen davonlaufen, wie die immer spärlicher besetzten Kirchenbänke zeigen. Ich denke, als unser kirchliches Oberhaupt haben sie keinerlei Verpflichtungen, vor der staatlichen Regierung eine Gefälligkeitskniebeuge zu machen.

Franz Kogler, Bregenz