Rücktritt mit beschränkter Haftung

Leserbriefe / 03.05.2022 • 18:25 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Oliver Lerch

Oliver Lerch

Die Vorarlberger Nachrichten berichten fast täglich ausführlich und sachlich-kritisch über die Wirtschaftsbund-Affäre. Weder Kundenbeziehung noch Parteimacht konnten sie bisher von diesem Dienst an der Demokratie abhalten. Zuletzt war der Scheinwerfer auf den trotz Rücktritt aufrechten Arbeitsvertrag des Jürgen Kessler gerichtet. Der scheinbare Widerspruch ergibt sich aus der Verbindung von Arbeitsverhältnis einerseits und Geschäftsführung/Vertretungsbefugnis andrerseits. Denn der Direktor legte anscheinend allein die letztgenannte Funktion zurück, beendete aber nicht sein Angestelltenverhältnis. Der Wirtschaftsbund wiederum kann einseitig wahrscheinlich nur frist- und termingerecht kündigen. Eine Entlassung ist schon wegen der anzunehmenden Mitwisserschaft der Vereinsführung nicht möglich. Damit steht Kessler neben der Gehaltsfortzahlung bis Jahresende auch eine Abfertigung von jedenfalls drei Monatsentgelten zu. Rein rechtlich gibt es für ihn wohl keinen Grund, auch nur auf einen Teil dieser mehr als 100.000 Euro zu verzichten. Wirtschaftlich stehen einsichtsvoller Großzügigkeit der Verlust des Arbeitsplatzes und die Rückzahlung des hohen Darlehens entgegen.

Wolfram Walch,

Feldkirch