Scharrenpontifikat

Leserbriefe / 03.05.2022 • 18:25 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Vor kurzem wurde Benedikt XVI. 95 Jahre alt. Seit seinem Rücktritt im Jahre 2013 wohnt er zurückgezogen im Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten, ganz nahe vom Haus Marta, dem Wohnort des regierenden Papstes Franziskus. Für den Autor des neuen Buches über den „Schattenpontifikat“ Benedikts, Massimo Franco, ist dieses Kloster der „seltsamste und interessanteste Ort“ im ganzen Vatikan. Der Journalist Franco ist in Italien kein Unbekannter. Er war nämlich viele Jahre lang Redakteur des „Corriere della Sera“. Benedikt XVI. wohnt in besagtem Kloster mit seinem Privatsekretär Georg Gänswein, zurückgezogen, aber doch seine Gäste im weißen Talar empfangend, so als wäre er nicht der berühmteste „Ex“ der Welt, sondern immer noch der amtierende Papst. Das Miteinander der zwei Päpste war immer etwas rätselhaft und unklar. Der Journalist Franco schildert die Entwicklung der letzten neun Jahre und legt dabei den Akzent auf ihr Verhältnis zueinander und somit auf das „parallele Papsttum“ Benedikts. Diese Situation dauert nun schon viel länger als erwartet. Franco findet, das Problem sei keineswegs gelöst und die Katholische Kirche stehe heute zerrissener da als 2013.

Pfr. Helmut Rohner,

Dornbirn