Pflichttermin bei Wolodymyr

Leserbriefe / 12.05.2022 • 18:26 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Bei allem verständlichen Entsetzen über das gewaltsame Vorgehen Putins in der Ukraine sollte man nicht gleich die eigenen Werte über Bord werfen, sonst spielt man dem Gegner in die Karten. Kollektivhaftung mit Kollektivstrafen für unbeteiligte Sportler, Künstler usw. zu verhängen, deren einziges „Vergehen“ ihre russische Staatsbürgerschaft ist, entspricht hoffentlich nicht den gern zitierten westlichen Werten. Es sei denn, man will das russische Volk demütigen und damit erst recht in die Arme Putins treiben (meines Erachtens keine gute Strategie). Auch wie sich Politiker geradezu ein Wettrennen liefern, um Herrn Selenskyj ihre Aufwartung zu machen, ist schon fast peinlich. Wie viel schwere Waffen und Milliarden (und zwar subito) zu liefern sind, weiß dank Wolodymyrs Medienpräsenz ohnehin jeder. Dass der ehemalige Schauspieler ein Virtuose auf dem Medienklavier ist, beweist er täglich aufs Neue. Unrasiert seit dem Einmarsch und nur noch olivgrün gewandet, treibt er mit Kalkül und Moralkeule den Westen vor sich her.

Wenn man dann noch weiß, dass nicht nur Nordkorea und Saudi-Arabien, sondern auch Russland, USA, China und Israel ganz bewusst keine Vertragspartner beim Internationalen Strafgerichtshof (Rom-Statut) sind und selbst die Ukraine noch nicht ratifiziert hat, dann werden auch die Moralkeulen der USA ganz schnell zum Bumerang.

Peter Morstein,

Rankweil