In der Schuldiskussion im Ton vergriffen
Was für eine hässliche Schuldebatte! Warum wird in Schuldiskussionen bloß regelmäßig mit unlauteren Mitteln argumentiert? Auch jetzt wieder in Vorarlberg. Bildungsminister Polaschek antwortet im VN-Interview auf die Frage, welche Note er sich für seine Performance im ersten Dienstjahr geben würde: „Ich würde mir ein Gut geben.“ Hä? Ich würde gern mal die Eltern und Schüler sehen, wenn deren Lehrer sich selbst benoten würden. In meinen Augen verdient allein diese Selbstbenotung die Verhaltensnote „Ungenügend“. Nachsitzen! Von den nur wenig zeitgemäßen, faktenarmen Aussagen zur Gesamtschule einmal ganz abgesehen.
Was den Leserbrief von Dr. Klaus König betrifft, kann das Urteil ebenfalls nur „Ungenügend“ lauten, denn dessen Aussagen bestehen den Faktencheck nicht. Er nennt dazu „ideologiebefreite Fakten“ und führt Deutschland als Beispiel an. Allein im Bundesland Niedersachsen (Einwohnerzahl entspricht in etwa der von Österreich) stieg die Zahl der Gesamtschulen von 1980 bis 2021 kontinuierlich von 30 auf 145 Schulen an. Bei PISA nahmen sie sogar die Spitzenplätze ein. Nach einem Regierungswechsel hin zu einer konservativen Regierung – die Gesamtschulen offiziell ablehnte – berichteten die Medien über mehrere Minister, die sich bemühten, Kinder ihrer Familien in Nachbargemeinden einzuschulen, weil es dort eine Gesamtschule gab! Totes Pferd? Alter Hut?
Jürgen Gerdes,
Mellau