Das Stück heißt „Ich“
Mit dieser Glosse vom 7. September hat Thomas Matt wohl den Nagel auf den Kopf getroffen! Chapeau und Gratulation! Bei jedem Anlass werden heute Handys herumgereicht mit Bildern vom Urlaub, vom neuen Motorrad, der neuen Couch, vom Sonnenuntergang usw. – ohne dass man überhaupt danach gefragt hat.
Und es gehört dann auch zum Anstand, ein wenig Bewunderung zu zeigen – für das Bild. Noch mehr natürlich dem, der es gemacht hat! Dem „Ich“! Selbstredend sind die Bilder dann auch in den Social-Media-Kanälen. Das „Ich“ führt Regie! Das „Ich“ im Vordergrund, die Schönheiten des Landes sind Kulisse, so man sie überhaupt sieht! Ich erinnere mich an ein Bild von einem Frühstücksteller mit Spiegelei – „Bin am Frühstücken – Grüße aus Norwegen!“ Auf dem Bild: Teller mit Spiegelei. Mit Verlaub, aber muss ich wirklich wissen, wo das „Ich“ gerade frühstückt? Erstens gehört frühstücken zum normalen Tagesablauf, zweitens gäbe es in Norwegen auch schöne Landschaften und drittens sieht ein Spiegelei in einem Gasthaus in Bangladesch genau gleich aus wie in einem Nobelhotel in Manhattan – oder in Norwegen.
Tone Schneider,
Klebern, Egg