Reifes Volk?

Leserbriefe / 06.12.2022 • 17:43 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Leserbrief „Betteln und streiken wie die ÖBB“ von Dr. med Gernot Zumtobel, VN vom 01.12.2022:

Die Ausführungen von Dr. Zumtobel kann ich voll unterstützen. In der Schweiz wird bei Bedarf rechtzeitig und vernünftig verhandelt. Streiken wird dort nicht als vernünftige Lösung angesehen. Diese Vorgangsweise ist meist auch Teil des Arbeitsvertrages für Führungskräfte. Das Ergebnis von Verhandlungen, soweit es sich um eidgenössische oder kantonale Agenden handelt, geht zur Abstimmung an die Stimmberechtigten und wird angenommen oder abgelehnt. Ein treffendes Beispiel ist die Abstimmung zur Stabilisierung der Alters- und Hinterlassenen-Versicherung. Sie wurde durch eine Mehrwertsteuererhöhung des Normalsatzes um 0,4 %, (bisher 7,7 %) beim reduzierten Satz und beim Sondersatz um je 0,1 % erreicht. Die Stimmberechtigten haben diese Lösung am 25. 9. 2022 mehrheitlich gutgeheißen und damit gesetzlich festgelegt. Der letzte Satz von Dr. Zumtobel ist leider in Österreich nicht anwendbar. Wir haben weder eine kompetente Regierung noch versteht das Volk den Zusammenhang von Gemeinwohl und Eigennutz wirklich. Hätte unser Volk dieses Grundverständnis, würde es schon längst die direkte Demokratie fordern. Und nicht den Populisten, die eine Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer oder einmalige (Taschengeld) Bonuszahlungen propagieren, ohne die negativen Folgen zu bedenken, ihre Parolen gebetsmühlenartig nachplappern. Direkte Demokratie ist leider noch ein Fremdwort für unsere Bevölkerung und etwas, vor dem sich unsere Politiker wie der Teufel vor dem Weihwasser fürchten.

Adolf Zwahlen,

Lustenau

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