Wasserkraft ja, aber nicht bedingungslos
Zum Leserbrief „Erneuerbare Energie“ von Norbert Gugganig, VN vom 25. 2. 2023:
Ich bin ebenfalls ein Befürworter der Energiewende. Die Wasserkraft in Vorarlberg ist dabei eine wichtige Alternative. Nachdem aber schon sehr viele Bäche verbaut sind, gibt es bekanntlich nicht mehr viele Erschließungsmöglichkeiten für den unstillbaren Energiehunger der jetzigen Zeit. Ein solches Projekt in der Kernzone des Biosphärenparks
(BP) Großes Walsertal anzudenken, heißt für mich allerdings, dass eine rote Linie von der Energiewirtschaft und der Politik überschritten wird! Der BP ist nach mehr als 20-jährigem Bestand identitätsstiftend für die Einwohner des Tales und ein internationales Schutz-
instrument für Regionen mit außergewöhnlicher Natur- und Kulturlandschaft.
Auch für den sanften Tourismus im Tal und als Naherholungsgebiet für die Einheimischen darf dieses Juwel nicht geopfert werden. Das Große Walsertal ist übrigens eine e5-Region, die schon jetzt mehr Ökostrom erzeugt, als vor Ort benötigt wird. Die Hausaufgaben werden also gemacht. Die immensen negativen Auswirkungen im Tal, mit einer zweiten Staustufe an der oberen Lutz, wären eine Katastrophe angesichts der zunehmenden Hitzesommer. Das Bachbett trocknet großteils aus und kann auch durch Renaturierungsmaßnahmen niemals kompensiert werden. Talausgangs ist dieses Phänomen seit Jahren beobachtbar. Auch die zu erwartende Steigerung der Lkw-Fahrten, um das Geschiebe nach Starkregen wegzubringen, ist für die Bevölkerung nicht noch mehr zumutbar.
Manfred Gassner, Raggal