„Ein mystisches

Leserbriefe / 03.03.2024 • 17:37 Uhr

Dorf für Bregenz“

Zum VN-Bericht vom 28. Februar:

Die Bregenzer Festspiele machen also wieder einmal das Gegenteil von dem, was Komponist und Dichter ursprünglich wollten! Bei den letzten Produktionen, die in geschlossenen Räumen hätten spielen sollen (wie Madama Butterfly, Tosca) wurde im offenen Feld gespielt. Nun wird ein zusammengestellter, hässlicher Hüttenkomplex gebaut, wo doch nach Webers ausdrücklichen Angaben der Freischütz im Böhmerwald in einem Forsthaus spielen soll, 1648, am Ende des dreißigjährigen Kriegs (zwei Szenen im Forsthaus, eine in der Wolfsschlucht). Laut ORF verschlingt allein das Bühnenbild eine beinahe zweistellige Millionen- Summe. Was mag dann schließlich die ganze Produktion kosten? In Anbetracht der vielen Nöte in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Pfleger-Ausbildung etc., wann reagieren eigentlich unsere Kulturpolitiker? Traurig ist es, dass ein Musiker sich denken muss: Schluss mit der pervertierten Opernkunst! Hatte damals Eugen Ionescu recht, als er sagte: „Unser Jahrhundert hat die Schönheit des Hässlichen entdeckt.“ Was würde er über unser Jahrhundert sagen? Etwa: Unser Jahrhundert hat die Freiheit der Kunst dem Verrat an den Meistern gleichgesetzt?

Günther Simonott, Bludenz