AHS-Oberstufe stark geschwächt
Nach kurzer Diskussion hat Bildungsminister Polaschek die Vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA) an den Gymnasien als Pflichtteil der Matura mit sofortiger Wirkung abgeschafft. (VN 5. Juni 2024/A3) Dadurch werden die Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS), in denen weiterhin Diplomarbeiten im Team auf vorwissenschaftlichem Niveau geschrieben werden, durch ihre Doppelqualifikation weiter aufgewertet und noch mehr Relevanz bekommen. Denn einerseits ist der Abschluss einer BHS im Nationalen (NQR) und im Europäischen Qualifikationsrahmen (EFQR), was die Arbeitsmarktchancen betrifft, deutlich höher eingestuft. Das bedeutet, dass in der gesamten EU sofort nach der BHS-Matura auf einem qualifizierten und dementsprechend bezahlten Level ins Arbeitsleben eingestiegen werden kann. Weitere Berechtigungen, wie Lehrabschlüsse oder Gewerbeberechtigungen, die man an der BHS erwirbt, sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Und andererseits wird damit auch die Domäne der Gymnasien, die Studienfähigkeit, also die Vorbereitung auf ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule, gegenüber der BHS geschwächt. Eine qualifizierte vorwissenschaftliche Vorbereitung auf Bachelor-, Master- und PhD-Arbeiten ist damit nur mehr in der BHS sichergestellt. Ich erwarte daher, dass es noch dieses Jahr zu einer Reihe von Nachmeldungen aus der AHS-Unterstufe in die BHS kommen wird.
Mag. Michael H. Weber,
Direktor der Handelsakademie Feldkirch