Großelternkarenz

Leserbriefe / 05.08.2024 • 19:15 Uhr

der ÖVP

Mütter wollen/müssen/sollen immer früher an den Arbeitsplatz zurückkehren. Die Rahmenbedingungen dafür sind aber noch immer schlecht: Kaum Väter gehen länger als zwei Monate in Karenz. Warum eigentlich? Außerdem gibt es in Vorarlberg viel zu wenig (frei wählbare) Kinderbetreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren. Viele Eltern greifen deshalb bei der Betreuung der Kleinsten auf die Großeltern zurück. Eine bezahlte Großelternkarenz erscheint vor diesem Hintergrund naheliegend. Aber: Soll die berufliche Möglichkeit einer Mutter weiterhin davon abhängen, ob und in welchem Umfang die Oma die Kinderbetreuung übernehmen kann? Mir wurden in Vorstellungsgesprächen folgende Fragen gestellt: Sind Sie in einer festen Partnerschaft? (Mit 19 Jahren) Wie stellen Sie sich Ihr Leben in fünf Jahren vor? (Mit 28 Jahren) Warum wollen Sie denn wieder arbeiten, Sie sind doch verheiratet? (Nach der Karenz) Was macht Ihr Mann beruflich? Haben Sie Unterstützung durch die Großeltern? (Mit zwei Kleinkindern) Muss ich mir in ein paar Jahren in einem Vorstellungsgespräch auch noch die Frage anhören, ob ich Enkelkinder habe oder in Zukunft haben könnte? Eine Großmutter-Karenz verfestigt alte Rollenbilder und finanzielle Nachteile für Frauen. Denn (gut ausgebildete) Frauen verdienen noch immer weniger und verpassen Beförderungen, weil sie Kinder (bzw. Enkelkinder) bekommen (könnten).

Angela Schmid, Feldkirch