Wir müssen Europa anders neu denken

Leserbriefe / 02.01.2026 • 22:54 Uhr

Die Europäische Union steckt nach Jahren kumulierter Krisen – von Finanz- und Schuldenproblemen über Migrationskonflikte bis hin zu geopolitischen Brüchen – in einer massiven strukturellen und ökonomischen Schieflage, die ihre Handlungsfähigkeit massiv einschränkt. Die derzeitige Führungsebene der EU hat es nicht geschafft, diese Krisen in eine überzeugende Reformagenda zu übersetzen und Vertrauen in die europäischen Institutionen wiederherzustellen. Europa muss sich neu erfinden. In der nächsten politischen Phase Europas werden sich deshalb Kräfte durchsetzen müssen, die bereit sind, ein neues kontinentales Wirtschaftsbündnis zu denken: demokratischer verankert, wirtschaftlich widerstandsfähiger und langfristig orientiert. Ein solches Wirtschaftsbündnis würde auf Friedensdiplomatie, individuelle und wirtschaftliche Freiheit sowie eine starke industrielle Basis setzen und die Vielfalt Europas nicht als Risiko, sondern als strategische Ressource begreifen. In einer zunehmend multipolaren Weltordnung, in der die EU zwischen den Machtzentren USA, China und anderen Regionalmächten ihren Platz neu definieren muss, braucht Europa flexible, bedarfsorientierte Kooperationen und moderne Handelsabkommen statt starrer Blocklogik. Nur wenn alle europäischen Staaten ihre Zusammenarbeit auf dieser Grundlage erneuern, kann ein stabiles Europa entstehen, das künftige Zerreißproben nicht nur übersteht, sondern politisch und diplomatisch nutzt, um seine Souveränität zu stärken.

DI Dr. Josef Richard Skumautz, Villach