Verkehrspolitik aus der Mottenkiste

Leserbriefe / 04.01.2026 • 19:36 Uhr

Der Leserbrief von Oskar Piffer wirkt auf mich wie ein Ausflug in die verkehrspolitische Mottenkiste. Tunnel, Autobahnen, Vollausbau – alles schon gehabt, alles schon gescheitert. Was bleibt, ist meine Bewunderung für diese konsequente Einfallslosigkeit. Ich bin 24 Jahre lang von Dornbirn nach Liechtenstein gependelt und habe die Eröffnungen beider Amberg-Tunnelröhren sowie des Ardetzenbergtunnels erlebt. Jedes Mal hieß es, nun sei das Verkehrsproblem gelöst. Die Realität: nach kurzer Zeit wieder Stau. Der Grund ist bekannt und vielfach belegt – neue Straßen erzeugen zusätzlichen Verkehr. Herr Piffer setzt erneut auf genau jene Rezepte, die uns in diese Sackgasse geführt haben, und nennt das „realistisches Denken“. Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Warum sollte es diesmal anders sein? Auf die Tunnelspinne folgt in ein paar Jahren die Tunnelkrake bis Vaduz, Buchs und in die Valduna. Die Planungen können bereits beginnen. Ein Lehrstück in Einfallslosigkeit mit garantierten Staus an jedem Tunnelende. Meine persönliche Lösung war der Umstieg auf die Bahn bis Liechtenstein. Die Zukunft der Mobilität liegt nicht im Zubetonieren des Rheintals, sondern in gemeinschaftlichen Lösungen: Schiene, echte Bus-Priorisierung, Park-and-Ride (P+R), autonom fahrende Busse und urbane Seilbahnen – Paris zeigt‘s. Wer Probleme von morgen mit Ideen von gestern lösen will, verweigert Innovation und Verantwortung zugleich.

Otto Bechter, Dornbirn