Sicherheit ist keine Frage des ­Terminkalenders

Leserbriefe / 16.01.2026 • 22:52 Uhr

„Das Bundesheer rüstet – dank der Frau Bundesminister – materiell endlich nach, doch wir drohen bei der wichtigsten Ressource zu scheitern: dem Menschen. Als ehemaliger Berufsunteroffizier weiß ich: Das modernste Gerät ist wertlos, wenn die Zeit fehlt, Soldaten im „Kampf der verbundenen Waffen“ meisterhaft auszubilden. Die Aussetzung der verpflichtenden Milizübungen 2006 war ein sicherheitspolitischer Sündenfall. Wer sich heute hinter dem Argument „Das steht nicht im Regierungsprogramm“ versteckt, verkennt, dass sich Krisen nicht an Koalitionsverträge halten. Die Wirtschaft mag den kurzfristigen Ausfall von Arbeitskräften fürchten, doch in einem Land ohne Sicherheit gibt es keine florierende Wirtschaft. Eine Verlängerung des Grundwehrdienstes und die Rückkehr zu verpflichtenden Übungen sind kein „Zwang“, sondern die notwendige Versicherungspolizze für unsere Souveränität.

Wir schulden es unseren Soldaten, sie nicht nur auszurüsten, sondern sie so auszubilden, dass sie im Ernstfall eine Überlebenschance haben. Wenn am 20. Jänner die Expertenkommission spricht, muss die Politik endlich den Mut zum Weitblick beweisen. Denn ohne Sicherheit ist alles nichts.

Othmar Wohlkönig, Graz