Werte, welche Werte?

Leserbriefe / 16.01.2026 • 22:52 Uhr

Europa versucht es im Konzert der Großen dieser Welt (vordergründig) mit Werten und darauf beruhender Haltung. Aber um welche Werte geht es? Die „alten“ christlichen können es nicht sein. Denn selbst die Zusammenfassung der Bergpredigt nach der Bibel, Matthäus 7,12: „Behandelt die Menschen (nicht) so, wie ihr selbst von ihnen (nicht) behandelt werden wollt“, spielt im (politischen) Alltag Europas, auch Österreichs, nur mehr begrenzt eine Rolle. Weltweit, z. B. im Vernichtungskrieg Russlands gegen die Ukraine, den Massakern im Iran und im Sudan oder bei den Trump‘schen Eskapaden, schon gar nicht. 80 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs gilt wieder weitgehend und oft hemmungslos das Recht des Stärkeren, obwohl sich das ebenfalls biblische Wort, Mt 26,52: „Wer das Schwert erhebt, wird durch das Schwert umkommen“, über viele Jahrhunderte immer wieder eindrucksvoll bestätigt hat. Ein Leben und Handeln nach Mt 7,12 und das ohne notorische Relativierungen (euer Ja sei ein Ja und euer Nein sei ein Nein), denn Nächstenliebe heißt nicht, naiv, sondern auch schlau und mutig zu sein, ist schlicht die einzige Chance Europas, im Haifischbecken der Welt zu überleben und wieder stärker gehört zu werden.

Dr. Klaus König, Lauterach