Sexueller Missbrauch – Prävention

Leserbriefe / 25.01.2026 • 21:26 Uhr

Bei der Aufarbeitung der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs durch H. Gmeiner kommt es zur Frage, wie Jugendlichen geholfen werden kann, diese und ähnliche Verfehlungen und die Nachrichten darüber ganzheitlich und menschlich zu bewerten. Mir scheint, dass zwei Extreme nicht beitragen können zu einer echten Prävention: Das eine Extrem wäre die Forderung nach „Steinigung“ des Täters mit dem Ziel, die „Sünde“ der sexuellen Gewalt und des Exzesses auszumerzen, also die Gesellschaft zu retten mit „Wegschneiden“ des verdorbenen Auswuchses. Die islamische „Scharia“ ist diesem Sinne gedacht. Das andere Extrem wäre, größtmögliche Befreiung von Geboten und Normen auszurufen. Aber das ist ja schon der Geist der Zeit. Eine wirkliche und tiefe Prävention im Sinne der „Vorbeugung“ kann dann aber nicht hängen bleiben an der rechtlichen und moralischen oder gar asketischen Oberfläche, sie muss fundamental sein. Und das kann sie nur, wenn man lernt, zu verstehen, was Liebe ist: Und dass alle „Sexualität ohne wahre Liebe“ immer „missbrauchte Sexualität“ ist. Deshalb wird nur die Erziehung zu einer ganzheitlichen Liebe präventiv wirken, was dann freilich kein politisches Programm sein kann, sondern ganz unten von der Familie ausgeht.

Peter Mathei, Alberschwende