Leserbrief: Neue Fächer KI und Demokratiebildung

Österreich hat ein höchst vielfältiges, bis ins kleinste diversifiziertes Oberstufenmodell, und das ist gut so. Wer mit der klassischen AHS nicht warm wird, weil es ihm zu viel an Sprachen ist, hat daneben ein reichhaltiges Angebot: BORGs mit unterschiedlichsten Schwerpunkten, HAK, HTL, Tourismusschulen, die BAfEP, … Für jeden ist etwas dabei. Diese Diversität ist die große Stärke des österreichischen Systems, für das man z. B. im großen Nachbarland Deutschland oft beneidet wird. Seltsam muten vor diesem Hintergrund die Pläne von Bildungsminister Wiederkehr an, an der AHS den Lateinunterricht zu kürzen, um neue Fächer einzuführen. Denn was er nicht sagt: An Realgymnasien, an denen Latein kein Pflichtfach ist, muss diese Kürzung die modernen Fremdsprachen oder schulautonome Schwerpunktfächer treffen. Damit geht genau diese Vielfalt verloren, denn das Angebot für Sprachaffine – die AHS – sowie die so geschätzten Zweige an den BORGs verlieren ihr Profil. Und worüber Minister Wiederkehr auch nicht spricht: Für die BMHS gibt es keine solchen Pläne. Wieso braucht der AHS-Schüler diese neuen Fächer, die HTL, HAK etc. aber nicht? Muss ein HAK-Absolvent keinen Umgang mit KI beherrschen? Kann ein HTL-Absolvent auf Demokratiebildung verzichten? Es zeigt sich klar, dass dies ein Schnellschuss ist, den der Herr Minister lieber noch einmal überdenken sollte.
Florian Waldner, Andelsbuch