Leserbrief: Opernball in der Pflegestufe

Der Wiener Opernball zählt weltweit zu den berühmtesten Bällen. Dass er aber österreichisches Kulturgut ist, darf bezweifelt werden, zu sehr überwiegen Modeschaulaufen und Möchtegern-Promis. Selbst die hohe Politik glänzte heuer mit Abwesenheit. Nicht, dass man sie vermisst hätte, aber ein Spiegelbild der derzeitigen Regierungsqualität war es dann doch. Dafür kann der Opernball allerdings nichts! Die Seitenblicke-Gesellschaft kam trotzdem auf ihre Kosten, waren doch sehr viele B-Promis dabei. Dschungelcamp-Teilnehmer haben diesen Ball genauso entdeckt wie die Geissen-Girls der gleichnamigen Doku-Soap. Die dubiose Figur Harald Glööckler ist mittlerweile auch schon Stammgast. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Sie alle sollte man aber nicht fragen, wer bei der Eröffnungszeremonie gesungen hat! Es war also ein Kunterbunt an Gästen, von denen die meisten mit Kultur nichts am Hut haben. Allesamt waren sie zu sehr auf sich selbst fokussiert: Wie sitzt die Frisur? Wie seh ich aus? Sitzt das Kleid richtig? … und am wichtigsten: Wo sind die Kameras? Dass dies dem wirklichen Superstar aus Hollywood, Sharon Stone, zu viel wurde, zeigte sich durch ihre Panikattacke und durch ihr vertraglich geregeltes, pünktliches Verlassen des Balles. Sie musste den Ball bis Mitternacht durchstehen. Ihre Begeisterung über den Ball war rein dem Vertrag geschuldet: Schaumrolle gegen Traumrolle.
Tone Schneider, Klebern, Egg