Leserbrief: Das Märchen der Kakaoernte

Es war einmal ein Kakaospion, dessen Aufgabe es war, in den Kakaoplantagen die nächste Ernte einzuschätzen, damit der Einkauf der Schokoladehersteller geplant werden kann. Kakaobäume wachsen nur im Äquatorgürtel und nur auf bestem Humus. Ursprünglich kommt diese Pflanze aus Südamerika. Die Kolonialmächte pflanzten sie auch in Afrika an. Dort holten sie ihre Sklaven für die Baumwollarbeit. Nun ist diese Pflanze nach Alexander von Humboldt die bemerkenswerteste Pflanze der Welt. Ihr Samen, die Kakaobohne, ist der fettreichste Samen aller Pflanzen (59 %). Sehr bemerkenswert ist auch die Ernte. Es gibt keine Haupternte, keine Jahreszeit. Die Vegetation ist so: Das ganze Jahr blühen die Früchte, auf den Bäumen sind immer Blüten, Knospen, halbreife Früchte und reife, kürbisähnliche, sogenannte Panzerfrüchte. Zur selben Zeit reifen sie in Afrika und Zentralamerika. Wo bitte ist der Ernteausfall? Bei Weizen, Roggen, Rüben, Obst ist eine Aussaat und eine Ernte, hier kann es schon durch Unwetter oder Dürre ernsthafte Ernteausfälle geben. Außerdem haben die Schokoladefabriken Lager, die mindestens 6 Monate bis zu einem Jahr reichen. Die Kakaobohnen werden nicht auf irgendeinem Markt gehandelt, sondern auf eigens eingerichteten Kakaobörsen.
Luis Caldonazzi, Thüringen