Bregenzer Faschingszeitung „Schnorrapfohl“
Zum Leserbrief von Hr. Hugo Waldner, VN vom 17. Februar 2026:
Sehr geehrter Herr Waldner, Sie haben insofern recht, als der Schnorrapfohl tatsächlich nicht für Kinder gedacht ist. Der Bregenzer Kinderfasching ist in erster Linie für Kinder da. Daneben gibt es jedoch zahlreiche Veranstaltungen für Erwachsene und eben auch den Schnorrapfohl. Der Schnorrapfohl ist eine Satirezeitung. Ich empfehle daher, sich mit dem Begriff der Satire näher auseinanderzusetzen. Sie ist gesellschaftskritisch, anprangernd, manchmal unbequem. Satire und Kunst sind wichtige Gradmesser einer funktionierenden Demokratie. Zu Ihren Vorwürfen eines „gestörten Sexualverhaltens“ der Autoren: Die Zeitschrift wird professionell verfasst. Der diesjährige Schnorrapfohl hat sich bewusst mit dem Thema Sexismus auseinandergesetzt. Ein Großteil der von Ihnen als anzüglich empfundenen Bilder stammt nicht von den Verfassern, sondern von anerkannten Künstler:innen. Wenn eine Künstlerin – die einen renommierten Frauenpreis gestaltet hat – auf ihrer Homepage eine überdimensionale Frauenbrust darstellt und diese provokant inszeniert, oder wenn eine andere Künstlerin nackte Frauenfiguren als Teil eines Ausstellungskonzepts am Karussell zeigt, gilt dies als Kunst. Werden genau diese Motive im satirischen Kontext aufgegriffen, wird daraus plötzlich Sexismus. Satire soll polarisieren, übertreiben, spotten und Ereignisse der Lächerlichkeit preisgeben. Und natürlich hat der Schnorrapfohl recht, wenn er sagt: „Erscht schnorra, denn wissa.“
Martin Steiner, Obmann ORE ORE, Bregenz