Leserbrief: Mobbing-Intervention: Unsere Kinder haben ein Recht auf Expert:innen

Leserbriefe / 24.02.2026 • 15:15 Uhr
Leserbrief: Mobbing-Intervention: Unsere Kinder haben ein Recht auf Expert:innen

Der erschütternde Fall des zehnjährigen Luca zeigt, wie gravierend die Folgen von Mobbing sein können, vor allem dann, wenn nicht rechtzeitig und wirksam gehandelt wird. In meiner Arbeit als Psychologin und Psychotherapeutin erlebe ich immer wieder Ähnliches: Kinder werden zu spät gehört, ihre Hilferufe bleiben zu lange unbeachtet. Mobbing ist ein gruppendynamisches Phänomen, das von der Resonanz der Klasse lebt. Deshalb braucht es sofortiges, konsequentes Eingreifen. Abwarten oder bloßes Zureden verschärft die Situation und lässt Opfer resignieren. Dieses Schweigen aus Hoffnungslosigkeit kann im schlimmsten Fall in Suizidgefahr münden. Wirksame Mobbing-Intervention muss die gesamte Klasse einbeziehen. Nur wenn das soziale Gefüge bearbeitet wird, kann Mobbing nachhaltig gestoppt werden. Einzelgespräche allein greifen zu kurz. Pädagog:innen können nicht alles leisten. Doch sie tragen die Verantwortung dafür, Mobbing frühzeitig zu erkennen und umgehend qualifizierte Expert:innen hinzuzuziehen, die für hochkomplexe gruppendynamische Interventionen mit der gesamten Klasse ausgebildet sind. Wer ohne systemisches Rüstzeug in Mobbing-Fälle eingreift, vertieft und verlängert das Leid der Opfer, stärkt die Täter:innen, schwächt die Gruppe und richtet oft noch viel größeren Schaden an. Unsere Kinder haben ein Recht auf Expert:innen – auf Menschen, die Mobbing frühzeitig erkennen sowie wirksam und nachhaltig stoppen, bevor es zerstört.

MMag. Michaela Uitz-Steinhauser, Krumbach