„Bieder statt offen“

Leserbriefe / 18.03.2026 • 20:26 Uhr

Zum VN-Kommentar von Harald Walser, VN vom 13. März:

Aha, so ist es also, lieber Herr Walser: Wer Theater macht (wie es schon F. Schiller in seiner Schrift „Das Theater als moralische Stätte und Anstalt“ fordert) und als Intendant(in) diesen Auftrag zu verwirklichen versucht, gilt als „bieder und verstaubt“. Die respektvollen, gekonnten, historisch treu angelegten „Klassiker“ haben wir in den zehn Jahren von Frau Gräwe arg vermisst; sie war nicht einmal willens oder fähig, einen Ibsen in seiner problematischen Zeitepoche annähernd zu präsentieren. Wohin denn, bitte, werden Sie Ihre Kinder und Enkelkinder schicken, wenn sie einen Faust, Wilhelm Tell, Nestroy, Anzengruber bis Schnitzler in originalen, nicht verfremdeten Inszenierungen sehen wollen – bzw. müssen? Nach Innsbruck, Ulm, Zürich? Ja, und selbst dort müssen Sie sich vorher erkundigen, ob das Stück nicht aktualisiert wurde, damit Ihre Kinder nicht seelisch total verwirrt herauskommen! Ein kleines Landestheater wie Bregenz hat den Auftrag, der Jugend die gesamte Palette der großen Meister mit ihren Werken anzubieten. Man nennt so etwas Bildungsauftrag. Diesem klassischen Auftrag wurde Frau Gräwe leider nicht gerecht.

Günther Simonott, Bludenz