Energiepolitik braucht Realitätssinn

Leserbriefe / 18.03.2026 • 20:26 Uhr

Zum VN-Artikel „Schweiz öffnet Tür für neue Atomkraftwerke“, VN vom 14./15.3.2026:

Mit Verwunderung liest man, dass Gegner der Kernenergie den Befürwortern nun erklären, sie könnten „nicht rechnen“. Ein Blick nach Deutschland zeigt jedoch, wer hier vielleicht genauer rechnen sollte. Rund 500 Milliarden Euro wurden dort in den vergangenen zwei Jahrzehnten in den Ausbau der sogenannten erneuerbaren Energien investiert. Das Ergebnis: Strompreise auf Weltrekordniveau und weiterhin ein erheblicher Anteil von Kohle- und Gaskraftwerken, wenn Wind und Sonne nicht liefern. Ein energiepolitisches Erfolgsmodell sieht anders aus. Gleichzeitig wächst der Strombedarf massiv – durch Elektromobilität, Wärmepumpen, Digitalisierung und Industrie. Zu glauben, ein hochindustrialisierter Wirtschaftsraum könne diesen Bedarf allein mit wetterabhängigen Energiequellen und immer mehr Windrädern decken, wirkt zunehmend realitätsfern. Dass die Schweiz nun zumindest wieder darüber diskutiert, Kernenergie als Teil eines zukünftigen Energiemixes zuzulassen, ist daher kein Rückschritt, sondern Ausdruck nüchterner Analyse. Vielleicht ist es an der Zeit, auch bei uns die uralten Denkmuster der Anti-Atom-Bewegung zu hinterfragen. Energiepolitik sollte sich an Physik, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit orientieren – nicht an Ideologie oder Transparenten aus den 1970er-Jahren.

Dr. Christoph Nussbaumer, Hohenems