Leserbrief: Mein letzter Leserbrief

Leserbriefe / 26.03.2026 • 09:00 Uhr
Leserbrief: Mein letzter Leserbrief

Ich denke an mein Begräbnis und möchte ein letztes Zeichen setzen. Wofür habe ich gelebt und wofür mich angestrengt? Einerseits für die Ökumene, eine wirklichere Einheit zwischen den Kirchen und den Dialog zwischen den Religionen, so wie zwischen religiösen und nichtreligiösen Menschen. Für mich sind alle Menschen trotz aller Unterschiede Töchter oder Söhne Gottes und Geschwister untereinander. Andererseits für eine nach meiner Ansicht dem Geiste Jesu entsprechende Basiskirche, d. h. eine Kirche, die sich von unten nach oben aufbaut und in der der Hauptakzent auf den sog. “Laien”, d. h. den Gläubigen und den An-den-Rand-Gedrängten, liegt. Als großes Hindernis dazu entdeckte ich immer wieder den strukturellen Klerikalismus, der die Gleichwertigkeit aller Gläubigen leugnet und den ich deshalb trotz meiner leidenschaftlichen Liebe zur katholischen Kirche stets bekämpfte. Ich bin überzeugt, meine Kirche wird eines Tages die ihr schädlichen und Jesu Geist widersprechenden Traditionen überwinden. Mein letzter Beitrag dazu könnte eine von gewöhnlichen Gläubigen geleitete und gestaltete Eucharistie sein. Doch ich möchte nicht so sehr provozieren und wählte daher für mein Begräbnis etwas “Erlaubtes”, einen von Gläubigen (hauptsächlich Frauen) geleiteten Wortgottesdienst.

Pfr. Helmut Rohner