Leserbrief: Politik vs. Bevölkerung

Es macht uns betroffen und sprachlos, wenn die Politik über die Medien signalisiert, ein Volksbegehren – das erste seit 25 Jahren in Vorarlberg – nicht ernst nehmen zu wollen. Gerade angesichts beklagter Politikverdrossenheit ist das ein falsches Signal. Menschen, deren Gesundheitsversorgung grundlegend verändert wird, wollen mitreden – und sie verdienen es, gehört zu werden. Zudem gilt: Unterstützen zehn Prozent der Wahlberechtigten das Begehren, ist eine Volksabstimmung verpflichtend. Spätestens dann muss der Bevölkerungswille zählen. Irritierend ist auch, dass die Debatte auf die Geburtenstation verkürzt wird. Es geht den Initiatorinnen, soweit wir verstehen, nicht um ein pauschales Nein zu Zusammenlegungen, sondern um den drohenden Verlust gewachsener Qualität. Mit der Schließung spezialisierter Abteilungen für Frauengesundheit und Kinderheilkunde in Dornbirn gehen Strukturen verloren, die über Jahre mit großem Engagement und teurem Steuergeld aufgebaut wurden und sich nicht einfach “verlagern” lassen. Am meisten schmerzt uns jedoch der Ton der Kommunikation: Wenn Geburt als Hochrisiko dargestellt wird, verunsichert das Frauen zutiefst. Geburt ist kein Krankheitsfall, sondern ein natürlicher Prozess, der Vertrauen braucht. Wir wünschen uns Reformen, die stärken statt verunsichern: Frauen, Familien und auch den niedergelassenen Bereich. In der Gesundheitsreform liegt eine historische Chance, die es jetzt zu ergreifen gilt.
Manon Wallenberger, Brigitta Soraperra, Hanna Naphegyi, Sophie Kindler, Birgit Kalb, Olivia Grassl, Natalie Gmeiner, Hannah Gabriel, Anka Dür, IG Geburtskultur a-z, Feldkirch