Leserbrief: Halbwahrheiten?

Der Stadttunnel in Feldkirch sei ein ökologisch sinnvolles Projekt, sagte Landesstatthalter Ing. Christof Bitschi bei der feierlichen Eröffnung der Hauptbohrung. Meine Anfrage, was daran ökologisch sinnvoll sei, blieb bis jetzt unbeantwortet. Hat Herr Bitschi keine Zeit zu antworten, sind ihm die Bürger:innen unwichtig oder stimmt seine Aussage nicht? Der Tunnelbau stößt 40.000 Tonnen CO₂ aus und erhöht den täglichen Autoverkehr (nicht nur im Bereich der Bärenkreuzung) um 5.000 bis 6.000 weitere Autos (induzierter Verkehr). Dies wurde vom Land selbst berechnet (15 Prozent Mehrverkehr, bei jetzt 40.000 bis 50.000 Autos), diese Information ist aber von sämtlichen Infoseiten verschwunden. Ist das eine echte Solidarität mit den geplagten Anwohner:innen? Der Lärm, die Abgase und ökologische Folgen werden teilweise und mittelfristig unterirdisch versteckt, aber vom Mehrverkehr aufgefressen. Eine Veränderung der Mobilität unserer Gesellschaft wird mit Hunderten Millionen Euro verhindert und die Entsolidarisierung begünstigt. Neue Straßen sollen ja benützt werden! Wir dienen also dem kapitalistisch-globalen-Apartheid-System, durch das 10 Prozent der Reichen über 66 Prozent der Ressourcen verbrauchen und Kriege um Rohstoffe führen. Wer keine andere Möglichkeit hat, als mit dem Auto zur Arbeit zu kommen, soll es verwenden, doch für viele wäre eine andere Mobilität gut möglich.
Jürgen Mathis, Hohenems