Wer Substanz besteuert, gefährdet Arbeitsplätze
Vorarlberg zählt zu den stärksten Wirtschaftsregionen Europas – nicht wegen einzelner Großkonzerne, sondern wegen seiner tausenden Familienbetriebe. Sie stellen den Großteil der Arbeitsplätze, bilden Lehrlinge aus und investieren kontinuierlich in die Zukunft. Diese Unternehmen tragen bereits heute eine hohe Steuerlast. Gleichzeitig ist ihr Vermögen fast vollständig im Betrieb gebunden – in Gebäuden, Maschinen und Infrastruktur. Genau hier setzt die aktuelle Diskussion über Erbschafts- und Vermögenssteuern an – und verkennt die Realität. Wenn bei einer Betriebsübergabe plötzlich zusätzliche Steuerlasten entstehen, müssen diese finanziert werden. Nicht selten bedeutet das: weniger Investitionen, höhere Verschuldung oder im schlimmsten Fall der Verkauf von Unternehmensanteilen. Barbara Eibinger-Miedl hat daher recht, wenn sie betont, dass solche Debatten nicht hilfreich sind. Sie treffen genau jene Betriebe, die langfristig denken und regional verankert sind. Gerade in einer Phase schwachen Wachstums und großer Transformationen wäre es fatal, diesen Unternehmen Liquidität zu entziehen. Österreich braucht Investitionen in Digitalisierung, Energie und Innovation – nicht zusätzliche Belastungen. Die Lösung liegt nicht in neuen Steuern, sondern in effizienteren staatlichen Strukturen. Wer die Substanz unserer Betriebe angreift, gefährdet Arbeitsplätze – auch in Vorarlberg.
DI Hubert Rhomberg, Lochau