Rondo Reststoffkraftwerk endlich größer denken
Die Debatte um das geplante Reststoffkraftwerk der Firma Rondo ist symptomatisch für ein Grundproblem: In Vorarlberg wird zu klein gedacht. Während lokal Widerstand mobilisiert wird, bleibt die eigentliche Schwäche unangetastet. Es fehlen leistungsfähige Anlagen zur Nutzung zentraler Stoffströme wie Müll, Klärschlamm und Gülle. Stattdessen exportieren wir Abfälle und importieren Energie – ein systemischer Widerspruch, der weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar ist. Wer es ernst meint mit Energieautonomie und Kreislaufwirtschaft, muss größere Lösungen zulassen. Rund um das Walgaukraftwerk existiert bereits die notwendige Infrastruktur: Stromnetze, Bahn und Autobahn. Dort ließen sich Stoffströme bündeln, Transportwege reduzieren und Wertschöpfung im Land halten. Ja, das bedeutet auch eine bewusste räumliche Konzentration von Belastungen. Aber genau darin liegt der Unterschied zwischen planlosem Flickwerk und strategischer Standortpolitik. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob einzelne Projekte vor Ort gefallen, sondern welchen Nutzen sie für die Allgemeinheit stiften. Der Utilitarismus liefert dafür einen klaren Maßstab. Umso dringlicher ist eine ehrliche, wissenschaftliche Prüfung der Annahmen. Konsequente Falsifizierung muss dabei Standard sein – nur so lassen sich Illusionen von tragfähigen Lösungen trennen und echte Zukunftsfähigkeit sichern.
Otto Bechter, Dornbirn