Strategisch wichtig – aber für wen?

Leserbriefe / 22.04.2026 • 17:56 Uhr

Man muss Wirtschaftslandesrat Tittler fast dankbar sein: Seine Reaktion zeigt, worum es offenbar zuerst geht – Versorgungssicherheit, Standort, Arbeitsplätze. An Luft, Wasser, Gesundheit und Bevölkerung kann man sich dann ja im Verfahren noch erinnern. Natürlich sind Energieversorgung und Arbeitsplätze wichtig. Aber warum soll daraus automatisch folgen, dass die Bevölkerung im Walgau ein großtechnisches Reststoffkraftwerk samt Kamin, Verkehr, Emissionen, Rückständen, Grundwasserfragen und möglicher PFAS-Problematik dankbar begrüßt? „Strategisch wichtig“ klingt gut. Nur wird eine Reststoffverbrennungsanlage dadurch nicht kleiner, sauberer oder harmloser. Feinstaub wird nicht gesünder, weil er dem Standort dient. Und PFAS verlieren ihre Persistenz wohl kaum aus wirtschaftspolitischer Rücksicht. Auch das Natura-2000-Argument wird schnell relativiert. Zwei Kilometer Entfernung seien offenbar zu viel, um ernsthaft betroffen zu sein. Das ist beruhigend. Dann wissen wir jetzt: Luftschadstoffe, Staub, Depositionen und Wasserwege sind offenbar sehr diszipliniert und halten sich an politische Einschätzungen. Leider funktioniert Umwelt nicht ganz so ordentlich wie eine Pressemitteilung. Ein UVP-Verfahren ist kein nachträgliches Dekor für eine politisch gewünschte Entscheidung, sondern ein Schutzinstrument für die Allgemeinheit. Wenn das Projekt wirklich sauber und sicher ist, wird es eine kritische Prüfung bestehen.

Oscar Giussani, Nenzing-Heimat