Wenn Kinder durchs System fallen

Leserbriefe / 27.04.2026 • 18:13 Uhr

Mit großer Sorge beobachte ich, dass Mobbing an Schulen noch immer verharmlost oder übersehen wird. Kinder erleben Ausgrenzung und psychischen Druck, ohne dass konsequent eingegriffen wird. Überlastete Lehrkräfte und unklare Strukturen führen dazu, dass Betroffene oft allein bleiben. Besonders alarmierend ist: Mobbing geht nicht nur von Mitschülern aus. Auch durch einzelne Lehrkräfte erleben Kinder Abwertung, Bloßstellung oder Ignoranz. Wenn Autoritätspersonen selbst verletzend handeln, wiegt das besonders schwer und verstärkt Angst, Ohnmacht und Vertrauensverlust. Wegsehen darf keine Option sein. Wer Probleme erkennt und nicht handelt, trägt Mitverantwortung. Es geht längst nicht mehr um Einzelfälle, sondern um Kinder, die aufgrund fehlender Zeit, Ressourcen und klarer Zuständigkeiten durchs System fallen. Für Eltern ist diese Situation kaum auszuhalten. Sie sehen das Leid ihrer Kinder und stoßen dennoch oft an Grenzen. Schule sollte ein sicherer Ort sein. Dafür braucht es klare Maßnahmen, mehr Unterstützung und den Mut, auch unangenehme Wahrheiten anzusprechen. Denn jedes Kind, das nicht geschützt wird, ist eines zu viel.

Julia Wehinger, Hohenems