Leserbrief: Mehr Respekt vor Demokratie – weniger Hörigkeit gegenüber Großzahlern

Leserbriefe / 29.04.2026 • 15:50 Uhr
Leserbrief: Mehr Respekt vor Demokratie – weniger Hörigkeit gegenüber Großzahlern

Der VOL-Artikel vom 27.4.2026 “Frastanzer Gemeindevertretung entschied nicht so wirklich einstimmig” wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Kritische Bürgerinnen, Bürger und Gemeindevertreter werden darin unterschwellig lächerlich gemacht, als wäre Skepsis gegenüber Großprojekten per se rückständig. Diese Haltung verkennt demokratische Mitwirkung als Grundpfeiler lokaler Politik. Journalistisch problematisch ist zudem die Berufung auf “off the record”-Befragungen ohne Namensnennung oder Einordnung. Solche Anspielungen ersetzen keine saubere Recherche, sondern nähren bloße Vermutungen. Besonders irritierend wirkt, dass der Bevölkerung indirekt Ignoranz für Energiekrise und Weltlage zugeschoben wird – ein unzulässiger Kurzschluss. Die Spekulationen über entschuldigte Gemeindevertreter und deren Motive wirken wie Keiltreiberei. Ebenso fragwürdig ist die Hervorhebung von Berufsgruppen jener, die gegen das Projekt stimmten. Sind Pensionisten, Landwirte, Lehrer oder Sozialarbeiter weniger wertige, demokratisch legitimierte Vertreter als Angestellte großer Betriebe? Das Vorgehen von Bürgermeister Gohm erscheint hingegen korrekt: Eine Vorabinformation des Unternehmens vor einer Entscheidung wäre rechtlich und politisch heikel. Positiv ist, dass seitens der RONDO‑Geschäftsführung nun ein sachlicher Diskurs angekündigt wird. Wer das Sitzungsprotokoll liest, kann die einstimmige Ablehnung nachvollziehen – und man darf den Mut der gewählten Vertreter ausdrücklich respektieren.

Dominik Madlener, Frastanz