Tschernobyl – unvergessliche Erinnerungen
Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zu einem folgenschweren Reaktorunfall. Die Sowjetunion hielt sich mit Informationen über die verheerende Explosion zurück. Am Nachmittag des 29. April erreichten verstrahlte Luftmassen Oberösterreich, was zu einer messbaren Radioaktivität führte. Das FlAB 13 erhielt am selben Tag ein frisch geeichtes Strahlenmessgerät aus der Firmenwartung zurück. Es war etwa 16 Uhr und ich hatte noch etwas Zeit, bis Dienstende einige Tests mit dem Gerät durchzuführen. Das Gerät zeigte eine geringe radioaktive Verstrahlung der Luft an, die militärisch zu vernachlässigen war. Bei Soldaten geht man davon aus, dass sie sich nur kurzzeitig in verstrahlten Zonen aufhalten. Für Zivilpersonen, die einer dauerhaften Strahlenbelastung ausgesetzt sind, kann bereits ein geringer Wert schädlich sein. Primär sind die Bundesländer für den Katastrophenschutz zuständig. Ich nahm damals an, dass ein ziviles Strahlenfrühwarnsystem die Umweltradioaktivität in Oberösterreich kontinuierlich misst. Die Mitarbeiter der Messstellen sagten jedoch aus, dass es von „oben“ keine Anordnung gegeben habe und somit erst spät mit den Messungen begonnen wurde. Später kam der saure Regen, die Radioaktivität stieg an und die zuständigen Stellen reagierten angemessen. Auffällig war, dass Sandkästen und Autoräder nach den Niederschlägen übermäßig stark kontaminiert waren.
Kurt Gärtner, Wels