Leserbrief: Wenn schon Reform, dann richtig!

Zum Bericht “Man schiebt nur hin und her”, VN vom 7. Mai:
Die Ausführungen von Herrn Steininger zur Spitalsreform in dieser Zeitung sind interessant. Allerdings verorten wir den mangelnden Mut etwa im Bereich der Geburtshilfe anders. Wenn man sich schon am dänischen Modell orientiert und die Zusammenlegungen der Geburtenstationen als einzigen Königsweg präsentiert, dann müsste man zwingend auch die in Dänemark vorhandenen Gesamtstrukturen einbeziehen. Es ist vor allem der dort strukturell geschaffene Fokus auf die beziehungsgeleitete Geburtshilfe und im Besonderen auf die Hebammenarbeit, der große, zentralisierte Geburtenstationen zu einem Erfolgsmodell macht: In Dänemark sind Hebammen als ausgebildete Fachpersonen für die physiologische Geburt den Geburtsmediziner:innen gleichgestellt. Sechs versicherungstechnisch abgegoltene Kontrolltermine in der Schwangerschaft, je drei bei Hebammen und Ärzt:innen, und integrierte Hebammenpraxen in Krankenhäusern. Das sorgt für eine kontinuierliche Hebammenbetreuung von der Schwangerschaft bis ins Wochenbett. 50 % der Frauen werden sogar von derselben Hebamme begleitet. Dieses evidenzbasiert sichere Modell führt zu weniger Interventionen, mehr Selbstbestimmung und höherer Zufriedenheit. Dass Dänemark eine Kaiserschnittrate von nur 19 % hat (Vorarlberg: fast 30%), ist ein gesundheitsökonomisch relevanter Nebeneffekt. Fazit: Wenn schon Reform, dann allumfassend. Jetzt ist die Chance für einen Paradigmenwechsel in der Geburtshilfe – für mehr Gesundheitsförderung und Kosteneffizienz und zugunsten der Frauen und Familien.
IG Geburtskultur a-z, Brigitta Soraperra, Feldkirch, sowie Anka Dür, Birgit Kalb, Hanna Naphegyi, Hannah Gabriel, Manon Wallenberger, Natalie Gmeiner, Olivia Grassl, Sophie Kindler