Polemik ersetzt keine Fakten
Zum Leserbrief von Günther Wieser, VN vom 2. Mai:
Der Leserbrief verzerrt wieder einmal zentrale Zusammenhänge der Energiewende. Windkraft pauschal die „Überlebenschance“ abzusprechen, widerspricht der Realität: Sie ist europaweit ein etablierter und wachsender Teil der Stromversorgung. Richtig ist, dass Netze und Speicher ausgebaut werden müssen. Falsch ist jedoch, daraus eine besondere „Doppelbelastung“ abzuleiten. Auch fossile Energien verursachen hohe Systemkosten – durch Importabhängigkeit, Preisschwankungen und Klimafolgen. Diese blendet Wieser erneut aus. Ebenso verkürzt ist die Behauptung, Windkraft sei kein selbsttragender Markt. Alle Energieträger wurden und werden politisch beeinflusst; erneuerbare Energien sind heute vielfach wettbewerbsfähig, insbesondere wegen niedriger Betriebskosten. Auch die pauschale Darstellung „immens schädlicher“ Umwelteffekte ist nicht haltbar. Eingriffe sind lokal vorhanden, aber insgesamt deutlich geringer als die langfristigen Schäden fossiler Energien. Die Energiewende bringt Herausforderungen, ist aber notwendig und technisch wie wirtschaftlich machbar. Eine sachliche Debatte sollte auf vollständigen Fakten beruhen – nicht auf selektiven Darstellungen. Ich ersuche andere aufgeklärte Leserinnen und Leser, derartige Leserbriefe von Wieser künftig richtigzustellen – mir wird’s langsam zu blöd, immer wieder faktenbasiert aufzuklären. Solche Argumentationen bedienen exakt die Mechanismen von Donald Trump, Alice Weidel und Herbert Kickl, wo bewusste Irreführung und Faktenverzerrung zum politischen Stil gehören. Wer so argumentiert, verlässt die sachliche Ebene und bedient zunehmend einen postfaktischen Politikstil, der auf Verzerrung statt Aufklärung setzt.
Otto Bechter, Dornbirn