Leserbrief: Geschmacksverbrechen

Zum Kommentar „Der ESC als Alibi“ von Christian Rainer. Wieder einmal ein spontanes „Bravo“ für den Leitartikel von Herrn Christian Rainer! Dabei wählt er noch ein feines Wort für diese angeblich musikalische Veranstaltung: „Geschmacksverbrechen“! Für einen seriösen Profi-Musiker haben diese Mikrofon-Schreilaute mit Musik wenig zu tun, bestehen doch alle diese Songs zum größten Teil nicht einmal mehr als aus der musikalischen „Urformel: Tonika, Subdominante, Dominante“ – also ein Armutszeugnis der Produzenten insgesamt! Auch hier treffend: Solch ein Großereignis versammelt für ein paar Stunden die widersprüchlichsten Gruppen, sogar aus einem ganzen Kontinent, Boykottierer ausgeschlossen. „Verändert die Kunst den Menschen zum Besseren?“, diese Frage stellt sich hier nicht mehr; es könnte sich bei Nationen-Gegnern die Erkenntnis einstellen, dass (laut Herrn Rainer) „Regeln und Respekt“ voreinander keine Hirngespinste, sondern Grundbedürfnisse sind! Hier könnte solch eine Veranstaltung zur kognitiven Konfliktbewältigung beitragen und als regulatives Ventil dienen.
Günther Simonott, Bludenz