Leserbrief: Sechsjährige Volksschule – Nein zur bildungspolitischen Naivität

Leserbriefe / 18.05.2026 • 13:54 Uhr
Leserbrief: Sechsjährige Volksschule – Nein zur bildungspolitischen Naivität

Wieder versuchen sich an Bildung und Ausbildung Interessierte an der Verbesserung unseres Schulsystems. Dies ist an und für sich eine rühmliche Tat, doch denken viele ihre Argumentationen nicht zu Ende. Im in Österreich sehr zersplitterten Schulsystem finanzieren die Gemeinden die Schulgebäude, das jeweilige Bundesland stellt die Lehrkräfte ein und der Bund zahlt (zu wenig) für diesen wichtigen Teilbereich. Trotzdem redet der Bundesminister in alle Belange hinein und möchte dort, wo ER sich Geld ersparen kann, anderen Teilen unserer Gesellschaft etwas aufoktroyieren. Sein Ziel: Die Schülerzahlen werden an Bundesschulen massiv gesenkt, was dem Bundesschulen-Erhalter Bildungsministerium viele Hundert Millionen Euro Ersparnis einbringt. Diese werden ungefragt den Gemeinden umgehängt und danach werden sie wie immer damit alleingelassen. Meine pädagogische Frage: Woher sollen die zusätzlichen 50 Prozent an VS-Lehrkräften herkommen, wo es doch an praktisch jeder Schule einen Lehrkräftemangel gibt? Die VS-Lehrkräfte sind zwar für die bisherigen schulischen Grundfertigkeiten bestens ausgebildet, doch das erhöhte Schüleralter (bis zu 13/14) verlangt neue Ausbildungen: naturwissenschaftlicher Unterricht, Fremdsprachen, IT/computergestützter Unterricht, Umgang mit Medien etc. Also sollen diese Lehrkräfte, die derzeit oftmals am Rande eines Burnouts stehen, zusätzlich Ausbildungen machen und so die inzwischen dramatisch gestiegenen Ausfallzahlen wegen psychischer Krankheiten nochmals erhöhen? Darum ein klares Nein zu solchen unüberlegten Ideen!

Dir. Mag. Gerald Fenkart, Sprecher Pro Gymnasium Vorarlberg, Bürs